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04.06.1945 Amerikaner gestatten Vorbereitungvon Gewerkschaftsgründungen | AUE Arzneiflaschenmangel der Apotheken Infolge Fehlens jeglicher Zufuhrhaben die Apotheken der Stadt Aue und der Ortschaften im Landkreis Schwarzenbergfast keine Arzneiflaschen mehr, so daß die Belieferung mit Arzneimittelnernstlich gefährdet wird. Die in den Haushaltungen unnütz herumstehendenleeren Arzneiflaschen gehen in die Tausende. Die Apotheken richtendeshalb einen dringenden Appell an die Einwohnerschaft, möglichstsofort alle verfügbaren Arzneiflaschen gegen Entgelt sauber gespültin die Apotheken zurückzubringen. Nur so kann eine weitere Arzneiversorgunggewährleistet werden. Umquartierte müssen die Stadtverlassen Alle Evakuierten oder Flüchtlingeaus den Bezirken Chemnitz, Dresden und Berlin haben Aue zu verlassen. Siekönnen mit der Bahn nach ihrer Heimat fahren. Wer von den Auer Einwohnernnach dem 5.6.1945 noch Umquartierte - ob sie polizeilich gemeldet sindoder nicht - beherbergt, macht sich strafbar. Hermann Graf, SPD, wird neuer Oberbürgermeister | 05.06.1945 General Eisenhower, MarschallShukow, Feldmarschall Montgomery und General de Lettre de Tassigny unterzeichnenin Berlin vier Deklarationen: 1. Die alliierten Regierungenübernehmen hiermit in allen Deutschland betreffenden Angelegenheitendie oberste Autorität, einschließlich aller Machtvollkommenheiten,die der deutschen Regierung, dem Oberkommando der Wehrmacht und allen staatlichenBehörden zustehen. 2. Über die Konsultierungder alliierten Nationen. 3. Deutschland wird innerhalbseiner Grenzen von 1937 für die Besetzung in vier Zonen eingeteilt.Das Gebiet von Groß Berlin wird von den Streitkräften allervier Nationen besetzt. 4. Einsetzung und Organisationdes Kontrollrats. | AUE Bekanntmachungen Brotbelieferung Um die regelmäßige Belieferungmit Brot sicherzustellen, ist die Kundenanmeldung erforderlich. Die Backbetriebehaben deshalb Kundenlisten anzulegen... Der Oberbürgermeister Butterversorgung Die verfügbare Buttermengeist aus den bekannten Gründen sehr herabgemindert. Im Interesse einergeregelten Verteilung macht sich deshalb die Kundenanmeldung erforderlich.Sie ist bis 7.6. 1945 gegen Vorlegung der Lebensmittelkarte in folgendenGeschäften zu bewirken, bei denen bis auf weitere Anordnung die Butterzu entnehmen ist... In Abänderung der Bekanntmachungvom gestrigen Tage wird bestimmt, daß sämtliche Kleinverteiler,die bisher Butter verteilt haben, Anmeldungen zur Butterkundenliste entgegennehmenkönnen. Die anderen Bestimmungen der Bekanntmachung bleiben bestehen. Der Oberbürgermeister | 06.06.1945 Hamburgs OberbürgermeisterRudolf Petersen hebt die Ehrenbürgerschaft für Hitler und Göringauf Rat der Volkskommissare der UdSSRbeschließt die Schaffung einer Sowjetischen Militäradministrationin Deutschland | SCHWARZENBERG Kohleversorgung Um unsere Wirtscjaft wieder anzukurbeln,ist es unerläßlich, daß für Kohlen gesorgt wird.Einige Genossen, die sich bemühten, im Oelsnitzer Kohlenrevier Kohlenlieferungenzu erreichen, stießen auf ungeheuere Schwierigkeiten. Die Hauptschwierigkeitist der Mangel an Bergarbeitern. Es ist festgestellt worden, daß4000 Bergarbeiter infolge dieses Krieges als Gefallene, Schwerverwundeteusw. ausfallen. Der Ersatz bestand unter dem Naziregime darin, daßAusländer zu dieser Arbeit gezwungen wurden. Eine weitere Schwierigkeit,uns im Gebirge mit Kohle zu versorgen, besteht darin, daß das OelsnitzerRevier neuerdings Chemnitz und Siegmar beliefern muß. Es wird vielMühe kosten, hier Erfolge zu erzielen. Aber es wird uns gelingen,die Not auf diesem Gebiet wenigstens einigermaßen zu lindern. WirMetallarbeiter im Erzgebirge werden den Bergkumpels im GüteraustauschHaus- und Küchengeräte anbieten, um so wieder die Räderzum Laufen zu bringen. Auch hier zeigt sich, daß nur Arbeit und nochmalsArbeit die mit jedem Tag dringendere Losung wird. Ernst Scheffler | | 07.06.1945 US-Luftwaffe bombardiert Osaka | KREISGEBIET BEKANNTMACHUNG Das Notgeld, das vom Landratsamtzu Schwarzenberg laut Bekanntmachung vom 18.5. in Umlauf gesetzt wurde,besitzt innerhalb des Landkreises Schwarzenberg und in Aue unbeschränkteZahlungskraft und ist daher von jedermann in Zahlung zu nehmen. Bei einer am 30. und 31. v. M. durchgeführtenGewichtskontrolle der verabreichten Brote in den hiesigen Bäckereienwurde bei dem Bäckermeister Arno Henne, Schwarzenberger Straße73, ein Durchschnittsmindergewicht von 5 - 7 v.H. festgestellt. Laut Anordnungder zuständigen Stelle darf aber das Durchschnittsmindergewicht nichtmehr als 2 v.H. betragen. Auf Vorhalt des prüfenden Beamten erklärteder Bäckermeister, er wisse wohl, daß sein Brot ein Mindergewichtaufweise. Er habe heute sein letztes Mehl verbacken, und um alle seineKunden beliefern zu können, habe er absichtlich bei jedem Brot rund100 Gramm weniger Teig eingewogen. Dieses Verhalten kann nicht gerechtfertigtwerden. Die Behörde sah sich veranlaßt, Bäckermeister Hennein Haft zu nehmen und seinen Betrieb zu schließen. | | 08.06.1945 Ernst Freiherr von Weizsäcker,deutscher Gesandter beim Vatikan, muß auf Wunsch des Heiligen Stuhlsseine Tätigkeit in Rom aufgeben | SCHWARZENBERG Antifaschisten paßtauf ! Wir haben Ursache, wachsam zu sein.Das sehr loyale Vorgehen der jetzigen antifaschistischen Gewalt wissenviele nicht zu würdigen. Verkappte Nazis sind am Werk. Es sind teilsPrivatpersonen, teils auch Leute, die noch in öffentlicher oder Beamtenstellungsind. Sie glauben, sich unter geschickter Tarnung wieder breit machen zukönnen. Wir kennen sie alle, und sie werden das bald merken. Es wirdihnen noch der nötige Respekt vor den Aktionsausschüssen beigebrachtwerden. Die totale Ausrottung des Faschismus ist ein auf sittlicher Menschlichkeitberuhendes Machtgebot aller Siegermächte, dem sich alle ehrbaren Deutschennicht nur willig unterwerfen, sondern an dessen Befolgung sie mit leidenschaftlichemEifer mitarbeiten. Soll unser Volk wieder eine Zukunft haben, kann es nichtdulden, daß die Überbleibsel des Hitlerismus sich wieder wieminierende Ratten regen. Daher aufgepaßt ! | 09.06.1945 Die letzten aus deutscher Kriegsgefangenschaftbefreiten Soldaten kehren in die Heimat zurück: 91.000 Amerikaner/ 167.000 Engländer. | SCHWARZENBERG Der Bezirks-Aktions-Ausschußteilt mit: In einer Sitzung wurde ausdrücklichfestgestellt, daß sich die örtlichen Aktionsausschüssenach den Beschlüssen des Bezirks-Aktions-Ausschusses unbedingt zurichten haben. Weiter wurde festgestellt, daßniemand die Erlaubnis hat, Fahrzeuge zu beschlagnahmen, ohne die ausdrücklicheBescheinigung der amerikanischen Behörden zu haben. Die Fettverteilung im Bezirk sollkünftig auf zentraler Grundlage erfolgen, d.h. es ist jeder Eingangbeim Landratsamt zu melden, das dann die gerechte Verteilung bestimmt. Neuhinzugewählte Mitgliederdes Bezirksaktionsausschusses sind die Herren Schürer aus Schneeberg,Urbanke aus Johanngeor-genstadt und Stockhausen aus Hundshübel. | 10.06.1945 Die SMAD genehmigt Bildung vonGewerkschaften und vier Parteien in der SBZ: KPD, SPD, CDU, LDPD | SCHNEEBERG Antifaschistischer Jugendbund An die Jugend von Schneeberg-Neustädtelund Griesbach wendet sich der provisorische ?Antifaschistische Jugendbund?mit einem Aufruf, in dem es heißt: Wir haben einen langen und steinigenWeg vor uns, um uns wieder etwas Ansehen bei den anderen Völkern zuverschaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, kommt es auf die Mitarbeit einesjeden einzelnen an, der es ehrlich meint... Auch in Schneeberg wird einsolcher Jugendbund ins Leben gerufen, und an euch Jungen und Mädelvon Schneeberg-Neustädtel und Griesbach ergeht der Ruf: kommt zu uns,helft mit, daß es nie wieder möglich sein wird, daß Elementevom Schlage Hitlers ihr freches Haupt erheben. Jugendliche im Alter von16-20 Jahren können sich in der Geschäftsstelle der Antifa, Schneeberg,Markt (ehem. Zigarrengeschäft Günther & Steinwachs) anmelden. | 11.06.1945 In den Westzonen werden zugelassen:KPD - 15.6. SPD - 26.6. CDU - CSU in Bayern, - 5.7. FDP | BEIERFELD Im Gemeinschaftssaal der Firma HermannNier fand eine Versammlung der antifaschistischen Bewegung statt. Der Saalkonnte die Besucher kaum fassen. Aktionsausschußmitglied Blechschmidteröffnete die Versammlung. Dann gab der Vorsitzende des AktionsausschussesLötzsch einen kurzen Überblick über die Arbeit des Ausschussesund ermahnte die Bevölkerung zum aktiven Einsatz. Bürgermeistera.D. Felgenhäuer aus Bermsgrün schilderte den Verlauf der Naziherrschaftbis zum Zusammenbruch. Er erörterte die Ernährungslage und mahntedie Bevölkerung, vor allem die Jugend, sich keine Übertrittegegen die Besatzung zuschulden kommen zu lassen, da die Folgen diegesamte Einwohnerschaft treffen würden. | 12.06.1945 Ab Hannover fahren täglichdrei Personenzüge und ein D-Zug nach Bremen | KREISGEBIET Aufruf Weite Kreise der Bevölkerunghaben in den letzten Monaten Bargeld in außerordentlichem Umfanggehortet. Dieses unverantwortliche Verhaltenführte zu empfindlichem Bargeldmangel, der die Ausgabe von Notgeldund Auszahllungsbeschränkungen bei Sparkassen und Banken erforderte.Um den eingetretenen Notstand zu beheben und wieder normalen Geldumlaufherbeizuführen, werden alle Personen, Firmen und Betriebe hiermitaufgefordert, alles zurückgehaltene Bargeld sofort wieder bei Sparkassenund Banken einzuzahlen. Wer diesem Aufruf nicht Folgeleistet, schadet der Allgemeinheit und wird zur Verantwortung gezogen.Kontrollen werden durchgeführt. Der Landrat zu Schwarzenberg Der Aktionsausschuß für den Landkreis Schwarzenberg Der Oberbürgermeister zuAue Der Antifaschistische Ausschußder Stadt Aue Antifaschisten aufgepaßt ! Verschiedene Vorkommnisse machenes notwendig, alle Antifaschisten zur Wachsamkeit und zur verstärktenAktivität aufzufordern. Durch das loyale Vorgehen der antifaschistischenBewegung wittern einzelne faschistische Kreise Morgenluft. Besonders inöffentlichen Ämtern, im Landratsamt und dergleichen, scheineneinzelne Herren als waschechte Faschisten bekannt, unter sehr geschickterTarnung sich allmählich wieder breit zu machen. Nach dem Muster von1918 glauben diese Kreise die von der antifaschistischen Bewegung eingesetztenAktionsausschüsse zu ignorieren und kalt zu stellen. Diese Kreise sind sogar des naivenGlaubens, die amerikanische Besatzungsmacht gegen die russische einsetzenzu können. Diese unbelehrbaren Leute scheinen nichts zu wissen vonJalta-Beschlüssen, die in dieser Beziehung die völlige Vernichtungdes Faschismus fordern. Und diese Beschlüsse werden gemeinsam vonallen Besatzungsmächten, gleichgültig, ob russisch oder amerikanisch,konsequent durchgeführt. Auch die antifaschistische Bewegungwird mit aller Konsequenz vorgehen und jene Überbleibsel des Nazismus,der das deutsche Volk in das größte Unglück gestürzthat, ausmerzen. Wir alten Antifaschisten wissen, auf welche Weise ab 1918der Faschismus sein Haupt erhob. Wir wissen auch, wie damals diebürgerliche Presse erst vor den Arbeiter- und Soldatenräten aufdem Bauche rutschte, um dann allmählich zum wütenden Verfechterdes Nazismus zu werden. Die antifaschistische Bewegung wird diese Erfahrungenvon 1918 nicht aus den Augen lasen und mit aller Energie alle Ansätzezum Nazismus ausmerzen. Das deutsche Volk hat seine seit1918 gemachten Fehler jetzt aufs schwerste zu büßen. Soll dasVolk wieder einer Zukunft haben, kann es sich nicht leisten, zu dulden,daß die Überbleibsel des Hitlerismus sich wieder regen können.Wir apellieren an die gesamte Bevölkerung, uns in unserer antifaschistischenArbeit zu unterstützen, sich einzureihen in die Organisation der antifaschistischenBewegung, mitzuarbeiten, um so gemeinsam den Grund zu legen zum WiederaufbauDeutschlands. Bezirksausschuß der AntifaschistischenBewegung | | 13.06.1945 KPD richtet Aufruf an die Deutschen Tschechoslowakische Regierungordnet Schließung aller deutschen Schulen an | Letztmalige Aufforderung! Obwohl es allgemein bekannt ist,daß aufgefundene Heeressachen, wie Waffen, Kraftfahrzeuge, Treibstoff,Reifen, Batterien usw. sofort abgegeben und gemeldet werden müssen,ist dies bisher sehr mangelhaft erfolgt. Es überlege sich Jeder, wieschwer es z.Zt. ist, Lebensmittel heranzuschaffen. Die meisten Fahrzeugesind entwendet und die wenigen noch vorhandenen reichen nicht zu. Auchdie Industrie braucht wieder Wagen. Wer unbefugt mit Fahrzeugen umher fährt,treibt Wirtschaftssabotage! Wieviel Unglücksfällekann man fast täglich in den Zeitungen lesen, welche durch Waffenin Kinderhänden geschehen. Ein Schuß kann, wenn er von den Besatzungsmächtengehört wird oder gar auf diese gerichtet ist, namenloses Unglücküber unsere Stadt bringen. Es ist genug Blut geflossen! Liefertalles ab, was uns schaden könnte und helft mit aufbauen ! Meldet alleabgestellten Fahrzeuge, welche zur Sicherstellung unserer Ernährungdienen! Achtet auf die Jugendlichen,welche total verhetzt sind! Ihr habt wieder volle Erziehungsgewalt übereurer Kinder und seid voll verantwortlich ! Vernichtet alles, was die Kinderzu Massenmördern erzieht. Schont unsere Wiesen, Felder und Waldbestände! Bedenkt, daß wir alle weiter leben müssen und wollen. Unserzwar karges, aber doch geliebtes Erzgebirge ist leider nicht in der Lage,uns ausreichend zu ernähren. Meldet euch deshalb zu Flurschutz,gleich welcher früheren Parteizugehörigkeit. Je mehr sich melden,um so besser ! Legt die Schüchternheit ab ! Wer nun noch nicht einsichtigwird, hat sein Leben verwirkt und wird unnachsichtig den Besatzungsbehördenausgeliefert ! Beweist durch eure Mitarbeit, daß ihr gewillt seidzu helfen und mit dem vergangenen System endgültig abgeschlossen habt.Nur so kann Deutschland sich wieder in den Ring der anständigen Völkereinreihen ! Die Ortspolizei, Schlemmer | 14.06.1945 Schieber-Razzia am BrandenburgerTor Gegen die eskalierenden Schiebergeschäfteim besetzten Deutschland kämpfen die Siegermächte, die Reichstagsruinein Berlin ist ein Eldorado - bei einer Razzia werden 429 Menschen festgenommen. Die Schattenwirtschaft wird durchdie Besatzer offiziell bekämpft, aber ihre Angehörigen mischenkräftig mit. Vor allem reichen die Lebensmittel nicht aus, daher beginntein schwungvoller Handel - täglich fahren Millionen Stadtbewohneraufs Land, wo sie Nahrungsmittel gegen Kostbarkeiten aus dem gerettetenHausrat tauschen. Wesentliche Ursache des Mangels sind die im letzten Kriegsjahrvernachlässigten Äcker und die im Frühjahr nicht erfolgteAussaat - geringe Erträge im Herbst sind die Folge. In der britischen Zone wird derzivile Postverkehr aufgenommen, zugelassen sind nur offene Postkarten,die in lateinischer Schrift abgefaßt sind Der ehemalige ReichsaußenministerJoachim von Ribbentrop wird in einer Hamburger Pension verhaftet | PAUL KORB Die Bauern draußen hattendie Auflage, Lebensmittel abzuliefern - in bestimmten Abständen. Reichsbauernschaft nannte sich das in der Nazizeit. Nun haben die Bauerngesagt: Ihr habt jetzt die Faschisten verjagt, und das sind Nazigesetzegewesen, daß wir abliefern mußten. Nun gelten die Gesetze nichtmehr, wir liefern nicht mehr ab. Ja, aber das war ne Grundlage, überhauptein bißchen Ernährung aufrecht zu erhalten. Das bißchenLandwirtschaft, was wir hier hatten, und das bißchen, was die abgegebenhaben. Das ging soweit: wenn der Beauftragtevon der Gemeinde dem Bauer die Auflage gebracht hat, da mußten wireinen mitschicken mit dem Gewehr. Das sind Einzelfälle gewesen,daß wir manchmal Druck ausüben mußten. | 15.06.1945 SPD der Ostzone unter Otto Grotewohl | Erzgebirgischer Volksfreund Das Ostufer der Mulde erreicht Russische Truppen vor Zwickau Der Sender Berlin gab gestern bekannt:Wie das Oberkommando der amerikanischen Expeditionsstreitkräfte mitteilt,räumen US-Truppen seit dem 13. Juni das Gebiet von Chemnitz. Sie werdenauf einer Front von 50 Kilometer Breite und 10 - 20 Kilometer Tiefe zurückgezogen.Die nachfolgenden russischen Truppen haben das Ostufer der Mulde bei Zwickauerreicht und sind in die Städte südlich Kirchberg einmarschiert. | 16.06.1945 Amerikaner entlassen aus demöffentlichen Dienst alle, die vor 1933 der NSDAP angehörten US-Militärregierung verfügt,USA-Flagge sei von Deutschen mit abgenommener Kopfbedeckung zu grüßen | Die Ausgehzeit derJugend Wir machen alle Eltern und Erzieherauf die Bekanntmachung aufmerksam, die der Bezirks-Aktions-Ausschußüber die Ausgehzeit der Jugendlichen erlassen hat. Ihr Mütter,achtet streng darauf, daß sich eure jugendlichen Töchter undSöhne nicht noch spät abends auf der Straße und in denAnlagen aufhalten. Bringt vor allem eure Kinder rechtzeitig zu Bett, wasschon wegen der geringen Ernährung jetzt doppelt notwendig ist. Setzt euch keiner verdienten Bestrafungdurch Übertretung der Bekanntmachung aus. | | 17.06.1945 In Köln konstituiert sichdie CDU | Provisorischer Industrieausschußwird gebildet. Fachleute, die politisch nicht belastetsind, nehmen sich des Wiederaufbaus der Wirtschaft an, regeln Materialbeschaffungund verteilen Aufträge. | | 18.06.1945 Hochschule für bildende KunstBerlin eröffnet, Rektor Karl Hofer | PAUL KORB Der Kreis hatte vordem etwa 15400 Einwohner, aber in dem Kreis waren 300.000 Menschen drin. In der StadtSchwarzenberg mit 12.000 Einwohnern gab es 6.000 Bombengeschädigteund Flüchtlinge, da waren 2.000 Zwangsarbeiter, da waren Kriegsgefangeneda, da lagen in den Schulen hier 1.000 verwundete Soldaten. Die Frage der Ernährung fürdiese ganzen Menschen, die konnte nicht von Schwarzenberg gesteuert werden.Sondern die mußten wir mit dem Kreismaßstab steuern. Da bestandauch in der Amtshauptmannschaft eine Abteilung Ernährung, da standVerwaltungsinspektor Paul stand dem vor. Und diese Ernährungsamt mußtenwir übernehmen und da haben wir diese Frau, die haben wir dann fürden ganzen Kreis eingesetzt. | | 19.06.1945 KPD und SPD bilden Arbeitsausschuß,der die Zusammenarbeit beider Parteien koordinieren soll | AUE Bekanntmachung und letztmaligeWarnung hinsichtlich der Gasversorgung Von den Organen des Gaswerkesmuß immer wieder in Einzelfällen festgestellt werden, daßGas auch außerhalb der Freizeiten in Anspruch genommen und die Anordnungenhinsichtlich der Gasentnahme sabotiert werden. Es wird daher letztmalig daraufhingewiesen, daß Gas nur in den bisherigen Zeiten von 6-7, 11-12und 18-20 Uhr täglich entnommen werden darf. Bei Zuwiderhandlung gegen dieseAnordnung wird der Hausbesitzer oder sein bezügl. der GasentnahmeBeauftragter strafweise zur eintägigen (oder in schweren Fällenauch mehrtägigen) Ofenarbeit im Gaswerk herangezogen werden. Die Stadtverwaltung ist zu dieserdrastischen Maßnahme gezwungen, da alle anderen Strafandrohungenbisher nicht gefruchtet haben. Der Stadtkommandant. | | 20.06.1945 Reparationskommission der UdSSR,USA und Großbritanniens tagt zum ersten Male in Moskau drei Tage | | | 21.06.1945 Tschechoslowakei verkündetEnteignung und Aufteilung sudetendeutschen Grundbesitzes In den aus Versehen nicht besetztenLandkreis rücken sowjetische Truppen ein | 21. Juni 1945 Der Landrat zu Schwarzenberg An die Herren Bürgermeisterdes Kreises Ich fasse kurz das Ergebnis der Besprechungvom 20.6.1945 mit dem Herrn Kommandanten von Annaberg zusammen: Der Kommandant hat in wohlwollendenAusführungen uns seine Unterstützung auf allen Gebieten des wirtschaftlichenund kulturellen Lebens zugesagt unter der Voraussetzung, daß wirin loyalster Weise seinen Anordnungen Folge leisten, mit den Besatzungsbehördenund -truppen harmonisch zusammenarbeiten und den gegebenen VerhältnissenRechnung tragen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, und ich erwartenvon allen verantwortlichen Männern des Landkreises, daß sieall ihr Handeln und Tun danach einrichten. Die in der Versammlung vom HerrnKommandanten getroffenen Anordnungen fasse ich wie folgt zusammen: 1. Die polizeiliche Anmeldung, insbesondereder Flüchtlinge und Zugereisten, ist mit größter Genauigkeitzu überwachen und durchzuführen. Es muß verhindert werden,daß politisch unsichere Elemente sich weiterhin in unserem Kreisdurch Unterlassung der Anmeldung aufhalten und zu tarnen versuchen. 2. In Gemeinden, in denen sich Krankenhäuserund Hilfskrankenhäuser befinden, hat der Bürgermeister sich persönlichfür die peinlichste Ordnung und Verwaltung dieser Anstalten einzusetzen.Ein Unterschied zwischen der ärztlichen Behandlung von Inländernund Ausländern ist keinesfalls zu dulden. 3. Ausländische Kinder, dieeiner Betreuung ihrer Eltern entbehren, sind besonders in Obhut zu nehmenund ernährungsmäßig ebenso wie die deutsche Bevölkerungzu versorgen. 4. Druckereien sind bis auf weitereszu schließen und zu versiegeln. Wegen der Wiederinbetriebnahme wirdvon der Besatzungsbehörde besondere Anweisung ergehen. 5. Die Besatzungsbehörde behältsich eine Zensur der theatralischen Vorstellungen sowie anderer künstlerischerVeranstaltungen vor. Soweit in einzelnen Gemeinden Künstlerkräftevorhanden sind, haben diese ihr Programm über die Gemeindebehördezum Zwecke der Zensur vorzulegen. 6. Politische Verhaftungen findenin Zukunft nur noch auf Anweisung des Herrn Kommandanten statt. Alle bereitsin Haft befindlichen politischen Gefangenen sind dem Kommandanten in Annabergvorzuführen. 7. Die Bevölkerung ist nochmalsdringend auf die Waffenablieferungspflicht aufmerksam zu machen. Die Frageeiner evtl. Bewaffnung der Hilfspolizei sowie die Führung von Jagdwaffenseitens der Jagdausübungsberechtigten zum Zwecke des Abschusses vonWild wird geprüft. Weitere Anordnungen ergehen. Gemäß Vereinbarung derAlliierten vom 5.6.45 rücken sowjetische Truppen in ihre neuen BesatzungsgebieteWestsachsens und Thüringens vor. | | 22.06.1945 US-Besatzungsmacht verfügtden Abtransport von 80 Spezialisten der Zeiss-Werke in die amerikanischeBesatzungszone | | | 23.06.1945 Tito erhebt Anspruch auf HalbinselIstrien und Teile Kärntens | GERHARD LANG Und an dem Tag hieß esdann: Alle Wehrmachtsangehörige nach Aue, alle in Aue melden. Undan dem Tag zogen die Russen von Annaberg nach Schwarzenberg, sie habenpraktisch das Gebiet hier besetzt. Wir sind mit den Russen los - ich habmein Fahrrad gleich in Raschau stehen lassen, denn die haben alles weggenommen.In Aue mußten wir stehen, nicht stundenlang, immer wieder, immerwieder. Und dann hieß es: Morgen früh sieben Uhr in Annabergsein - mit einer Decke, Waschzeug und für zwei Tage Marschverpflegung.Na, was das heißt, kann man sich vorstellen. Und da hat meine Frauso einen Essenträger Kartoffelsalat gemacht und ne Decke zum Mitnehmen.Ich konnte die Nacht nicht schlafen, sagte: Nee ! Hab den Wecker abgestellt.Die Frau wacht auf: Wir haben es verschlafen. Nein, wir haben nichtverschlafen, ich geh? nicht ! Und wenn ich mich im Wald versteckenmuß. Und dann vormittags bin ich am Hammerwerk hinten hoch und dasah ich, daß einer nach dem anderen um die Ecke guckte. Da warengerade zwei Rittersgrüner nach Annaberg gegangen, die anderen hattensich alle gedrückt. Wir haben gesagt: Nee, in Gefangenschaftgehen wir nicht ! | 24.06.1945 Moskau: Siegesparade auf dem Roten Platz, Deutsche Kriegsgefangeneund Fahnen werden vorgeführt | | | 25.06.1945 Ulbricht spricht sich auf einerFunktionärskonferenz gegen eine sofortige Vereinigung mit der SPDaus | SCHWARZENBERG Sowjetische Truppen ziehen in dieStadt ein und eröffnen eine Militärkommandantur, der AntifaschischstischeAktionsausschuß übergibt den Besatzern die Macht. Bis Ende Augustsind die meisten Aktivisten aus ihren Ämtern verdrängt, es werdennun Funktionäre gebraucht. | 26.06.1945 UNO gegründet 51 Staaten unterzeichnen in SanFrancisco die UN-Charta, | AUE Nachmittags ½ 2 Uhr beginntim Nikolaipfarramt die Bezirkskirchenversammlung aller Kirchgemeindevertretungendes Kirchkreises Schneeberg. Tagesordnung: Dringliche kirchliche Gegenwartsfragen. |
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